Bouthieb-Regeln

BECA – Der „Best Endurance Challenge Award“

Das Punktesystem erklärt

Die Bouthieb Initiative wurde entwickelt, um das Wohlergehen der Distanzpferde sicherzustellen. Es ist auch ein Versuch, den Distanzsport wieder zu seinen traditionellen Wurzeln zurückzuführen. Die Initiative hat sich in den UAE als großer Erfolg erwiesen, aber es ist ein andauernder Prozess, bei welchem die Regeln ständig verfeinert werden. Die Herausforderung liegt darin, dass das System in den verschiedenen Situationen Anwendung finden kann. Das Ziel ist, ein Format zu entwickeln, das gutes Horsemanship belohnt und Sportsmanship, verbunden mit dem Wohlergehen des Pferdes, in den Mittelpunkt stellt.

Seit seiner ersten Anwendung in Bouthieb wurden verschiedene Änderungen vorgenommen. Diese Änderungen zielen darauf ab, das subjektive Ermessen der einzelnen Tierärzte an den Vetgates zu minimieren. Eine wichtige Neuerung war der Versuch eine einheitlichere Bewertung für die Auszeichnung zu erreichen, durch die Verwendung einer Gruppe von drei „Offiziellen Tierärzten“, die die letzte Bewertung der metabolischen Kriterien und der Gänge vornehmen, und zwar für alle qualifizierten Pferde am Ende des Rittes.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist der Schwerpunkt auf der Herzfrequenz-Erholung und der Verwendung des Herzerholungs-Indexes. Der strenge neue Paramter von 56 Schlägen pro Minute in einer maximalen Erholungszeit von 10 Minuten stellt die größte Herausforderung dar, und zeigt auf, wenn ein fittes Pferd gute Leistungen zeigt und innerhalb seiner Möglichkeiten geritten wird.

Ein Geschwindigkeitslimit von 20 km/h ist zwingend notwendig, um dem derzeitigen Trend der mehr Geschwindigkeit über alle anderen Kriterien setzt, entgegenzuwirken. Organisatoren sollten sich darüber im Klaren sein, dass diese „Geschwindigkeitsbegrenzung“ derzeit nicht von der FEI anerkannt ist. Dennoch kann die BECA als nationaler Ritt (CEN) abgehalten werden, oder innerhalb eines internationalen (CEI-)Rittes, wobei aber nur die Teilnehmer, die sich an die Optimums-Geschwindigkeit und andere Kriterien halten, die Voraussetzungen für die Auszeichnung erfüllen. Die Geschwindigkeit kann den lokalen Bedingungen nach unten hin angepasst werden. Organisatoren sollten sich auch im Klaren darüber sein, dass eine solche Auszeichnung innerhalb eines FEI-Wettbewerbes, in der FEI-Ausschreibung im Voraus angezeigt werden muß.
Dr Dwight Hooton, Dr Martha Misheff, Dr Morgane Schambourg, Ms Deirdre Hyde

Das Punkte-Protokoll

Um für den „Best Endurance Challenge Award (BECA)“ in Frage zu kommen, ist es notwendig, dass die Teilnehmer innerhalb eines vorgegebenen Geschwindigkeitsbereiches (S) bleiben. Punkte werden während des ganzen Wettbewerbs gegeben für Geschwindigkeit (S), Erholungszeit (RT) und Herzerholungs-Index (CRI) wie unten beschrieben. Metabolische Kriterien (MC) und Gänge (G) werden nach jedem Ritt-Abschnitt bewertet. Um jedoch den Einfluß der subjektiven Bewertung zu minimieren, werden die Schlußpunkte erst gegeben, nachdem eine Gruppe von drei offiziellen Tierärzten, die alle Pferde in einem speziell dafür eingerichteten Bereich am Ende des Ritts gesehen haben, eine Bewertung abgegeben hat.

 


1. Optimum Geschwindigkeits-Punkte (S)
(20 km/h in Boutheib), max. 10 Punkte pro Loop

bouthieb-speed-penalty-600px

Die Punkte werden nach der obigen Tabelle für die optimale Geschwindigkeit von 20 km/h bis hinunter zu 11 km/h vergeben, und es werden für Geschwindigkeiten über 20 km/h entsprechend Punkte abgezogen mit automatischer Eliminierung für 21 km/h oder mehr. Jedes Pferd, das nach Ansicht der tierärztlichen Kommission seine Fähigkeiten überschreitet, kann bei jeder Geschwindigkeit und jeder Zeit eliminiert werden.

 


2. Erholungszeit (RT)
Max. 30 Punkte pro Loop
Herzfrequenz 56 Schläge/Min., Präsentationszeit nach maximal 10 Minuten
An jedem Vetgate gibt es ein Maximum von 10 Punkten von dem die tatsächliche Erholungszeit abgezogen wird. Dies ergibt eine Zahl, die mit 3 multipliziert wird.
Beispiel: 1:47 Erholungszeit
10 – 1.47 = 8.53 x 3 = 25.59 Punkte für diesen Loop für die Erholungszeit (RT)
Wenn die Herzfrequenz über 56 liegt, wird das Pferd zu einer Herz-Nachuntersuchung gerufen und der CRI wird nach dieser zweiten Inpektion ausgeführt.

 


3. Herzerholungs-Index (CRI)
Max. 2 Punkte pro Loop
Die anfängliche Herzfrequenz bei der Vorstellung wird verglichen mit der Herzfrequenz, die genau 1 Minute nachdem das Pferd angefangen hat zu traben, genommen wird. Wenn die zweite Herzfrequenz gleich oder niedriger ist als die erste Herzfrequenz, werden 2 Punkte vergeben für den CRI. Wenn die zweite Herzfrequenz über der ersten Herzfrequenz liegt, werden keine Punkte vergeben für den CRI. Wenn die Herzfrequenz über 56 Schläge/Minute liegt, bedeutet dies Ausschluß vom Wettbewerb.
Bitte beachten: Der CRI wird wie folgt berechnet: Das Pferd kommt in das Vetgate und wird zu einer Linie geschickt, an dieser Linie nimmt der Tierarzt die Herzfrequenz. Sobald dieser erste Pulswert genommen wurde, muß das Pferd anfangen zu traben und die Zeit wird genommen. Wenn das Pferd zurückkommt, kann der Tierarzt die anderen Parameter (Atmung, Vorhandensein von Wunden, etc.) ausführen, solange er damit nicht Schmerzen oder Angst verursacht (z.B. kann die Kontrolle der Schleimhäute bei manchen Pferden die Pulsfrequenz erhöhen). Sofort nachdem die Minute vorüber ist, wird der zweite Puls genommen. Er muß gleich oder unterhalb des ersten Pulses sein, damit Punkte vergeben werden können.
Diese PUnktevergabe erfolgt an jedem Vetgate außer bei der letzten Untersuchung, wenn die Herzfrequenz direkt bei Ankunft im Vetgate von einem Tierarzt genommen wird, um sicherzustellen, dass keine unfairen Vorteile dadurch entstehen, dass ein Pferd verspätet vor den Tierärzten steht, weil des eine Schlange am Vetgate gab.

 


4. Metabolische Kriterien(MC)
Max. 6 Punkte am Rittende
Die metabolischen Kriterien werden während des ganzen Wettbewerbs in der normalen Art und Weise beurteilt. Jedoch für den BECA werden nur bei der letzten Untersuchung Punkte vergeben. Diese Untersuchung wird während des gesamten Wettbewerbs von der gleichen Gruppe von drei offiziellen Tierärzten vorgenommen, um ein einheitliches Meinungsbild zu erhalten.
Die Punkte werden wie folgt für jedes der Kriterien vergeben:

bouthieb-mc

Die Noten der drei Richter für MM, L und CRT werden zusammengezählt und der Durchschnitt errechnet, um die Endnote zu erhalten.

 


5. Gänge (G)
Max. 6 Punkte bei Rittende
Die Gänge werden während des ganzen Wettbewerbs in der normalen Art und Weise beurteilt. Jedoch für den BECA werden nur bei der letzten Untersuchung Punkte vergeben. Diese Untersuchung wird während des gesamten Wettbewerbs von der gleichen Gruppe von drei offiziellen Tierärzten vorgenommen, um ein einheitliches Meinungsbild zu erhalten.

Die Punkte werden wie folgt vergeben:

bouthieb-g

Wenn zwei von drei Richter ein „C“ vergeben, wird das Pferd eliminiert, denn A und B gelten als bestanden, während C durchgefallen bedeutet.
Die Auszeichnungen gehen an diejenigen Teilnehmer unter den ersten 15 Pferden, die die Ziellinie erreichen, die die höchste Gesamtpunktzahl während des Rittes und in der Schlußbewertung erhalten haben.

Quelle: in-the-focus.com

 


Die Bouthieb Initiative startet durch in Europa
An den letzten beiden Juli-Wochenenden 2016 wurden erstmals die Boudhieb Regeln in Europa eingeführt. Zwei Distanzritte in Deutschland und Frankreich erhielten ein Sponsorship für den „Best Endurance Challenge Award“ (BEC) von S.M. Scheich Sultan bin Zayed Al Nahyan aus Abu Dhabi. Diese Auszeichnung ist eine Fortsetzung seiner Initiative in Boudhieb, UAE, wo die Regeln entwickelt wurden, um die Schäden, die durch zu hohe Geschwindigkeit an Distanzritten verursacht werden, zu limitieren. Damit soll das Wohlergehen und die „Horsemanship“ in den Vordergrund gestellt werden, um damit wieder zum ursprünglichen Sinn der Distanzritte zurückzukommen.

Die erste Boudhieb-Veranstaltung waren die FEI-Ritte in Marbach, die während der Deutschen Meisterschaft ausgetragen wurden (wir haben darüber berichtet, siehe „Nomen est Omen“). Siegerin im BEC Award wurde Sevinc mit Melanie Arnold (160 km, 15.237 km/h), zweiter Rio mit Bernhard Dornsiepen, der 7 Minuten später ins Ziel kam, dritte war Bettina Nonnenmacher mit JG Narma (12.99 km/h).
Im FEI** (120 km) errang die zweitplazierte Conny Birmele auf Eurazia du Vallois den BEC Award; die Stute hatte eine Gesamterholungszeit von nur 6 min. 14 sec., der zweite Platz im BEC Award ging an Natalie Pudritz mit Charouf, der evenfalls sehr gute Regenerationszeiten (7 min.) hatte und überaus frisch wirkte.
Im CEI-J-YR** (120 km) gewannen sowohl die FEI-Wertung als auch den BEC Award die beiden Al Samarraie-Töchter Moira und Nayla mit ihren Stuten Zahra (Shgaya) und Famosa (Trakehner). Alle Ergebnisse finden Sie auf der Styria Webseite.
Am 30.-31. Juli wurde der zweite internationale Ritt, der den BEC Award beinhaltete, ausgetragen. Dies war der neue Persik Trail-Ritt in den französische Cevennen, organisiert von Christele Derosch und dem Team Grands Causses Endurance. Internationale Teams und Teilnehmer kamen von nah und fern und nutzten dieses Wochenende als ideale Gelegenheit, sich auf das Welt-Championat oder den berühmten 160-km-Ritt in Florac vorzubereiten. Interesse und Lob für die Boudhieb Initiative kamen von vielen Seiten, auch von Romain Laporte, Chef d’Equipe für das Team der Royal Cavalry in Oman, die mit sechs Pferden und Reitern erfolgreich an diesem Ritt teilgenommen hatten. Die holländische Reiterin Fenne Koppenol und ihr Trosser-Team qualifizierten sich für die Weltmeisterschaft, während aus Barcelona Elisabeth & Roser Xalabarder und ihr Trainer Cesar Tasias die Trophy und ihre Bedeutung besonders schätzten. Cecile Miletto auf Victoria Larzac, mehrfache Weltmeisterin, gewann hier den BEC Award und ihr Mann Laurent Mosti, Sieger in Florac 2012 und Mitglied des französischen Teams war dem ganzen sehr positiv gegenüber eingestellt. Beim FEI** Ritt ging der BEC Award an Salome Fragsse with Raqa De Saliann, beim FEI*-Ritt war es Cecile Miletto (s.o.) und bei den CEI*Ladies Charlotte Canton auf Uzika D’Aqui. Alle Ergebnisse finden Sie auf der ATRM Webseite.

Diese beiden Veranstaltungen waren ein sehr erfolgreiches Debut für die Bodhieb Initiative und es ist zu hoffen, dass die andauernde Unterstützung durch Scheich Sultan Bin Zayed Al Nahyan helfen wird, dass dieser Sport zu seinem ursprünglichen „Spirit“ zurückfinden wird.