Ein Traum von einem Verein

VDD ist das Kürzel für den Verein der Deutschen Distanzreiter und -fahrer e.V. Der VDD vertritt, wie der Name schon sagt, die Deutschen Distanzreiter und -fahrer, eine Gruppe von etwa 2.000 Aktiven mit knapp 5.000 Starts im Inland und etwa 130 internationalen Starts im Ausland. Diese Distanzreiter lieben alle ihren Distanzreitsport. Der Großteil der Reiter bewegt sich auf Einführungs- und Kurzdistanzritten und möchte mit dem Pferd zusammen schöne Stunden in der Natur mit Wettkampfambiente und bei Gleichgesinnten verbringen. Distanzreiten ist für die meisten Aktiven ein Hobby, dass sich neben den vielen anderen Angeboten, die das Leben zu bieten hat, einreiht.

 

Uschi Klingbeil umd Helga Schulz treten aus dem Präsidium des VDD aus

 

Dann gibt es noch die Reiter, für die das Distanzreiten einen höheren Stellenwert hat. Einige möchten mit ihrem Partner Pferd viel Zeit auf Mehrtagesritten verbringen und dabei Kilometer sammeln, andere sind dem Reiten auf der Langstreckendistanz verfallen mit dem Hundertmeiler über 160 km als Ziel, einige davon leistungsorientiert.

Ein Sport – verschiedene Ziele, das sollte doch kein Problem sein! Ist es aber, wenn die Toleranz untereinander nicht genug ausgeprägt ist. Dann teilt sich eine Gruppe in Lager. Diese Lager sind vorhanden, speziell, wenn es um das Thema Distanzreiten als Leistungssport geht.

Der Leistungssport ist eine wichtige Säule der meisten Sportarten. Im Leistungssport werden Grenzen aufgesucht und neu definiert, durch Wettbewerb entwickelt sich der Sport. Sieger, wie z.B. die neue Deutsche Meisterin im Distanzreiten Anne Wegner, sind Aushängeschilder für den Sport, oft Vorbilder für den Nachwuchs.

Der internationale Distanzsport hebt den Sport noch einmal auf eine ganz neue Stufe. Von CEI-Ritten geht für viele Distanzler eine große Faszination aus: ferne Länder, fremde Landschaften und die besondere Atmosphäre beim grenzüberschreitenden Wettkampf ist ganz einzigartig.

Solange all diese Ausrichtungen pferdegerecht betrieben werden, sollte ein problemloses Miteinander möglich sein. Allerdings wird international nicht überall mit dem gleichen Maß gemessen, es gibt in anderen Ländern unterschiedliche Ansichten über den Sport. Wenn das Pferd als „Sportgerät“ angesehen wird, bei dem man mit allen Mitteln bis zum Verderben versucht, immer neue Höchstgeschwindigkeiten und vorderste Platzierungen zu erreichen, wenn hohe Siegesprämien ausgeschüttet werden und das Distanzreiten zum Distanzrennen verkommt, dann scheiden sich die Geister. Dann beginnen die Diskussionen pro oder kontra Leistungssport. Dann werden leistungsorientierte Reiter, die ihr Pferd über viele Jahre schonend und nicht überfordernd aufbauen schnell mit Tierschändern in einen Topf geworfen. In den sozialen Netzwerken beginnt ein Kleinkrieg zwischen den Verfechtern der Lager, ein Kleinkrieg, der sogar oder besonders im Präsidium unseres VDDs tobte. Dort, wo Personen sitzen sollten, um unseren Sport zu vertreten und voranzubringen, gerade dort war ein Miteinander nicht mehr möglich, noch nicht einmal mehr ein Dialog, denn zu stark waren die Differenzen. Letzte Woche eskalierte die Situation und vereinsinterne Abläufe wurden sogar in den sozialen Netzwerken ausgefochten.

Am heutigen Tag erschienen auf der Vereinsseite des VDD ganz unscheinbar die Rücktrittsschreiben von Uschi Klingbeil (2. Beisitzer) sowie von Helga Schulz (Schatzmeisterin), die hiermit für sich einen Schlußstrich unter das Thema VDD gezogen haben. Nun stellt sich die Frage, wie es weitergehen wird und wohin sich der Verein entwickeln wird.

Die verbleibenden Mitglieder im Präsidium können sich nun beweisen und zeigen, ob sie den Verein bis spätestens zur Jahreshauptversammlung auf Fahrt bringen. Falls nicht – wie soll es dann weitergehen? Werden sich Persönlichkeiten finden, die bereit sind, sich der Herausforderung VDD in Zukunft zu stellen, vielleicht ganz neue Gesichter? Wir dürfen gespannt sein.

Ich persönlich träume noch immer meinen Traum von einem Verein, der den Spagat schafft, die Lager zu vereinen. Ich träume von einem Präsidium, das in der Lage ist, den Sport voranzubringen, ihn positiv nach außen zu vertreten, und dem Nachwuchs Appetit auf das Distanzreiten macht.

 

Rücktrittsschreiben von Helga Schulz

Rücktrittsschreiben von Ursula Klingbeil

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